08.10.2019 – Heute hieß es früh aufstehen, dann wir hatten Karten reserviert für die Schlösser Hohenschwangau und Neuschwanstein. Wie sich später zeigte, war das auch gut so. Das Wetter wirkte zu Beginn des Tages noch unentschlossen. Leicht bewölkt, Regen und eine dicke Wolkendecke. So kann man die Anfahrt zusammenfassen.

Unser Terminplan war heute durch die Reservierung fremdbestimmt. Kartenabholung bis 12 Uhr, Schloss Hohenschwangau um 13:00 Uhr und Schloss Neuschwanstein um 16:00 Uhr. Wirkt entspannend, ist es aber nicht.

Angekommen sind wir um ca. 10 Uhr und haben unsere Karten abgeholt. Die Schlange für die reservierten Tickets war kurz. Die Schlange für die Tagesgäste war sehr lang. Kurzer Schreck. In der Freude über einen kostenlosen Parkplatz am Ticketcenter hatte ich mein Smartphone mit der Reservierungsnummer im Auto vergessen. Das fiel mir mitten in der Schlange auf. War aber kein Problem, denn mit der Ankunftszeit und der richtigen Schreibweise meines Nachnamens ging es auch ohne Nummer.

Unterhalb der Königsschlösser liegt Füssen. Wir haben die Schlösser hinter uns gelassen und als erstes den Lechfall bei Füssen ca. 700m vor der Grenze nach Österreich angesteuert. Das ist ein kleiner künstlich angelegter Wasserfall als Zufluss für ein Wasserkraftwerk. Über dem Wasserfall liegt der König-Max-Steg von dem man das Wasserschauspiel gut fotografieren kann. Das Auto blieb stehen und zu Fuss ging es in die Altstadt von Füssen vorbei an der Spitalkirche, dem Kloster St. Mang zur Büste von Pfarrer Kneipp, dem Erfinder der Kaltwassertherapie. Viel Zeit blieb nicht mehr, als schauten wir uns die Stadtpfarrkirche St. Mang auf der Suche nach einem bestimmten Gemälde an, was aber in der benachbarten Basilka zu finden war, die wir nicht mehr besuchen konnten, denn die Zeit drängte in Richtung Besichtungstermin. Auf dem Rückweg zum Auto haben wir noch kurz uón die Spitslkirche geschaut. Zurück zu den Schlössern, rauf auf den Parkplatz und zu Fuß den Weg zum Schloss hinauf. Im Schlossgarten ein paar Bilder gemacht und dann rein ins Schloss. Eine sehr spannende Führung durch die Räume der früheren Besitzer. Fotos im Inneren waren leider nicht gestattet. Unsere Highlights: Das Schloss hat einen seinerzeit installierten Fahrstuhl. Das Schlafzimmer von König Ludwig II. hat eine Raumdecke mit illuminiertem Sternenhimmel. Die Schlafzimmer der Königin und des Königs waren mit einer „geheimen“ Treppe direkt mit einander verbunden. Die Temperaturen im Schloss sinken im Winter auf -5 bis -2 Grad und die Wandgemälde zeigen sich davon unbeeindruckt. Im Speisesaal zeigen die Kriegsszene in den Gemälden kein Blut – zu unappetitlich beim Essen.

Das Wetter klarte mittlerweile auf und so bat sich die Gelegenheit das Schloss Neuschwanstein zu fotografieren. Wie noch sehr oft im Laufe des Tages aus vielen verschiedenen Perspektiven. Aber dazu gleich mehr.

Nach der Besichtigung suchten wir die Haltestelle für den Bus nach oben zum zweiten Schloss. Die Information der Touristeninformation war mit „hinter dem Hotel Müller“ sehr wage. Aber der vorbeifahrende Bus wies den Weg. Es ging vorbei an der mittlerweile noch längeren Schlange der Tagesgäste und der Gäste, die mit Pferdekutschen den Weg auf den Berg antreten wollten.

Oben mit dem Bus angekommen, ging der Weg zu Fuß weiter zur Marienbrücke. Die Anzahl der Menschen auf der Brücke brachte uns zur Frage, was die Brücke eigentlich tragen kann. Die Frage verstärkte sich nach dem Betreten der Brücke und den sich teils deutlich durchbiegenden Holzbohlen. An der Brücke trennten sich wir uns kurz. Ich ging weiter den Berg hoch, um weitere Perspektiven auf Neuschwanstein zu finden. Vorallem die Perspektive, die man von den Postkarten kennt. Kleiner Spoiler: Diesen Fotospot hat wohl noch niemand gefunden, außer dem Fotografen selbst. Wenn man sich vor dem Eingang des Schlosses den Berg so anschaut, bliebt nur die Vermutung, dass sich der Bildermacher irgendwo am Berg abgeseilt haben muss.

Der Weg von der Marienbrücke führt bergauf und bergab bis man vor dem Tor steht. Links und rechts vom Tor stehen leider Bauzäune, da Dach und Fassade restauriert werden. Der Innenhof ist eher schlicht und Teile des Schlosses sind ebenfalls eingerüstet. Das ist aber das einzige, was im weiteren Verlauf der Führung schlicht bleiben wird.

Zum Schloss selbst brauche ich sicherlich nicht viel erzählen. Wie bekannt, wurden nur 16 Räume fertigstellt und die Bauarbeiten nach dem mysteriösen Tod Ludwig II. eingestellt. Sechs Wochen nach dem Tod wurden die ersten Eintrittskarten für das Schloss verkauft.

Ludwig selbst hat das Schloss wohl nur 172 Tage in drei Jahren selbst genutzt. Es ist im Inneren zwar alles sehr beeindruckend, aber irgendwie sehr dunkel und eher düster. Die romantische Vorstellung einer Ritterburg, die das Schloss darstellen soll, fanden wir nicht unbedingt vor. Unser Reiseführer vertrat die Meinung, dass das Schloss eine Huldigung an Richard Wagner war, der das Schloss selbst nie sah, da er vor der Fertigstellung der ersten Räume starb. Dieser These können wir uns anschließen, da viele Räume auch Bühnenbilder für Opern sein könnten. Trotzdem sehr beeindruckend. Allein die Idee sich eine Tropfsteinhöhle ins Schloss bauen zu lassen und diese mit für seinerzeit neumodischer und elektrischen Beleuchtung auzustatten, ist schon toll.

Dampfmaschinenbetriebene Kräne und die wohl erste freiwillige Krankenversicherung für die Bauarbeiter während der Bauphase, aber auch das erste Telefon und die erste Zentralheizung in einem Schloss zeugten ebenfalls von einer gewissen Affinität für moderne Technik.

Wir beendeten die Tour mit einem Besuch des Balkons mit Aussicht auf die Marienbrücke und das Schloss Hohenschwangau. Mit dem Bus ging es zurück zum Parkplatz. Leider war es nun schon zu spät, um noch mal in die Stadt zu fahren und o.g. Gemälde zu besichtigen. Wir machten uns daher auf den Heimweg. Nicht aber ohne zu prüfen, ob das Schloss noch von der untergehenden Sonne erfasst wird. Das war leider nicht so. Dafür bot aber der nahegelegene Forggensee mit Bergpanorma die Gelegenheit für schöne Sonnenuntergangsbilder.

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