Von Banja Koviljača entlang der Drina zum Tara-Nationalpark und mit dem Boot nach Višegrad, Bosnien und Herzegowina
Ein unvorhergesehener Start
Es ist Sonntag, und unser erster Plan für den Tag: die Umrundung eines Sees. Doch bei Ankunft gegen 6:00 Uhr morgens stellt sich heraus, dass das kleine Gewässer in Privatbesitz ist – eine Umrundung ist nicht möglich.
Schade, aber unser frühes Aufstehen wird mit einem atemberaubenden Sonnenaufgang belohnt. Die Sonne kämpft sich zwischen dichten Wolken und schroffen Bergspitzen hindurch, während über dem Fluss dichte Nebelschwaden hängen. Leider können wir nicht so oft anhalten, wie wir möchten, denn es gibt kaum sichere Halteplätze.
Das Drina River Haus und die mystische Flussfahrt
Ein geplanter Stopp auf unserer Route ist das Drina River Haus – ein kleines Haus auf einem Felsen mitten im Fluss. Es ist für uns heute nicht das einzige seiner Art, aber ein faszinierendes Fotomotiv. Ursprünglich diente es als Rückzugsort für Fischer und als Lager für ihre Ausrüstung. Doch durch seine einzigartige Lage – scheinbar schwebend über den reißenden Fluten – wurde es schnell zu einer lokalen Legende. Im Laufe der Jahre wurde es mehrfach durch Naturereignisse zerstört, aber immer wieder aufgebaut.
Am Startpunkt unserer siebenstündigen Flusskreuzfahrt, dem Jezero Perućac, hält die mystische Nebelstimmung an. Dieser malerischer Stausee an der Drina erstreckt sich zwischen den steilen Bergen Serbiens und Bosniens und gilt als Tor zum Tara-Nationalpark. Das smaragdgrüne Wasser, umgeben von dichten Wäldern und dramatischen Felsformationen, macht ihn nicht nur zu einem beliebten Ziel für Bootsfahrten, sondern auch zu einem Paradies für Naturliebhaber und Fotografen.
Am Boot von Tara Tours werden alle Reisenden namentlich aufgerufen, und nach einer kurzen Ausreisekontrolle finden auch wir unseren Platz auf dem Oberdeck. Eigentlich wollten wir Serbien noch nicht verlassen, doch die Drina bildet hier die Grenze zu Bosnien und Herzegowina. Unser erstes Ziel Višegrad liegt im Nachbarland.
Durch Schluchten und Geschichte
Die Fahrt führt uns durch beeindruckende Schluchten, vorbei an hohen Felswänden, die sich links und rechts des Flusses erheben. Der dichte Nebel begleitet uns noch ein Stück, bis die Sonne sich endlich durchsetzt. Später wird die Landschaft flacher, aber nicht weniger faszinierend.
Wir passieren Stari Brod mit seiner bewegenden Gedenkstätte. Besonders bekannt wurde der Ort durch ein tragisches Ereignis im Zweiten Weltkrieg: Im September 1942 ermordeten serbische Tschetniks hier Hunderte bosnische Muslime – eine der grausamsten Massenerschießungen während des Krieges in der Region. Heute erinnert diese Gedenkstätte an die Opfer und mahnt zum Frieden.
In Višegrad legen wir an, absolvieren noch eine Grenzkontrolle und nutzen die Gelegenheit, die kleine Stadt zu erkunden. Sie ist vor allem berühmt für die osmanische Mehmed-Paša-Sokolović-Brücke aus dem 16. Jahrhundert – ein UNESCO-Weltkulturerbe und Meisterwerk der Baukunst, das Ivo Andrić in seinem Nobelpreis-Roman „Die Brücke über die Drina“ unsterblich machte. Die Stadt besticht durch eine Mischung aus orientalischem Charme und mitteleuropäischen Akzenten und ist geprägt von der bewegten Geschichte als Grenzregion zwischen Bosnien und Serbien.
Auf dem Rückweg kommen wir nochmal in den Genuss der Natur und Landschaft, aber auch der Elemente. Zum Glück sind wir vorbereitet und gehören während des Regens zu den sehr wenigen Gäste des Oberdecks.
Zurück an Land und nach dem Abendessen erreichen wir im Dunkeln unsere Unterkunft – direkt auf dem Wasser. Wie besonders dieser Ort ist, wird uns erst am nächsten Morgen bewusst.
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