Vom Tara-Nationalpark nach Mokra Gora zur hölzernen Stadt und „unendlichen“ Eisenbahn

Ein Morgen wie im Märchen

Unser Tag beginnt mit einer atemberaubenden Überraschung: Gestern Abend erreichten wir unser Hausboot im Dunkeln – die Umgebung blieb uns verborgen. Doch heute entschädigt uns die Natur für die Geduld. Zwar verdeckt dichter Nebel den Sonnenaufgang, doch um 6:30 Uhr und später gegen 9:00 Uhr enthüllt sich eine fast unwirkliche Szenerie: Der See liegt still unter einem Schleier aus Wolken, während die Stille nur vom leisen Plätschern des Wassers unterbrochen wird. Bis 11:00 Uhr genießen wir diese magische Atmosphäre – dann lockt der Tara-Nationalpark.

Gipfelglück und Wolkentanz

Was von unten schon beeindruckend wirkt, wird von oben zur Offenbarung: Auf etwa 1.000 Metern Höhe offenbart sich ein Panorama, das uns sprachlos macht. Die Wolken ziehen wie ein fließender Teppich durch die Schluchten und über den See, während wir unser Frühstück mit Blick ins Unendliche einnehmen. Aus einer geplanten 4-Kilometer-Wanderung werden entspannte 2,5 Stunden – die Zeit vergeht wie im Flug, wenn man von solcher Schönheit umgeben ist.

Auf der Passstraße nach Mokra Gora

Durch den Nationalpark schlängelt sich eine malerische Passstraße, die uns immer tiefer in eine grüne Bergwelt führt. Jede Kurve schenkt neue Ausblicke, bis wir schließlich unser nächstes Ziel erreichen: Drvengrad, die „hölzerne Stadt“ in den Bergen nahe Mokra Gora. Das von Emir Kusturica erschaffene Ethno-Dorf ist kein Museum, sondern ein lebendiger Ort – eine Hommage an die traditionelle serbische Holzarchitektur, die hier mit Handwerksstätten, einem Kino und einer fast märchenhaften Atmosphäre aufwartet. Seit seinem Debüt als Kulisse für Kusturicas Film „Life Is a Miracle“ (2004) ist Drvengrad ein Symbol für die Verbindung von Kunst, Geschichte und Natur.

Mit der Šargan Eight durch die Zeit

Die Vorfreude auf die Šargan Eight ist groß – und sie wird nicht enttäuscht. Die 15 Kilometer lange Schmalspurbahn, benannt nach ihrer charakteristischen Achter-Form, windet sich durch 22 Tunnel, über fünf Brücken und überwindet dabei 300 Höhenmeter. Auf der Rückfahrt halten wir an Aussichtspunkten, die den verwirrenden, aber genialen Streckenverlauf offenbaren: Am Ende ergibt alles eine perfekte Acht.

Ein Abend wie im Film

Unser Tag klingt aus mit einem Abendessen in einem Restaurant direkt an der Bahnstrecke. Doch das Highlight folgt in unserer Unterkunft: Unser Gastgeber serviert uns 10 Jahre im Eichenfass gereiften Pflaumen-Rakija – und plötzlich sitzen wir in der Hollywoodschaukel auf der Terrasse, blicken über die beleuchtete Holzhäuschen von Drvengrad und den dunklen Umriss des Nationalparks. Ein Tag, der nicht hätte perfekter enden können.

Alle 117 Bilder des Tages unter https://flic.kr/s/aHBqjCpTR6

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