Serbien zwischen Legenden, Heilquellen und Musik
Die Festung Lazarica in Kruševac – Zeugnis einer tragischen Legende
Von Vrnjačka Banja führt uns die heutige Etappe nach Niš. Auf dem Weg lag etwas unscheinbar und nur durch einen höheren Turm von der Straße erkennbar die Festung Lazarica (auch Fürst-Lazar-Festung) in Kruševac. Sie wurde 1371 unter Fürst Lazar Hrebeljanović erbaut und war einst das politische und militärische Zentrum des serbischen Mittelalters – bis zur Schlacht auf dem Amselfeld (1389), die Serbiens Schicksal für Jahrhunderte prägte. Heute sind die gut erhaltenen Mauern, Türme und der ikonische „Lazar-Turm“ nicht nur ein historisches Denkmal, sondern auch ein Aussichtspunkt mit Panoramablick über Kruševac.
Sehr schön ist auch der Brunnen mit ungewöhnlichem Wasserspiel.
Niš – Tor zum Orient im Herzen Serbiens
Am späten Vormittag erreichen wir die drittgrößte Stadt Serbiens. Sie liegt im Südosten des Landes, am Zusammenfluss der Flüsse Nišava und Južna Morava, und ist seit der Antike ein wichtiger Knotenpunkt zwischen Europa und dem Orient – geprägt von Römern, Byzantinern, Osmanen und der sozialen Revolution unter Stevan Sinđelić im 19. Jahrhundert. Heute ist Niš eine lebendige Universitäts- und Kulturstadt, bekannt für die Festung Nišava, der Schädel-Turm (Ćele Kula) und als Wirtschaftszentrum mit einer wachsenden IT-Branche – und bleibt ein Tor zu den Balkan-Kulturen.
Mit Marina und Gorna haben wir zwei Stadtführer an unserer Seite und wir starten unsere Tour.
Ćele Kula – ein mahnendes Denkmal serbischer Geschichte
Der Schädel-Turm (Ćele Kula) in Niš wurde 1809 von den Osmanen aus über 950 eingemauerten Schädel serbischer Freiheitskämpfer errichtet – eine grausame Warnung nach der Schlacht am Čegar-Hügel, als sich serbische Aufständische unter Stevan Sinđelić in die Luft sprengten, um nicht in Gefangenschaft zu geraten.
Heute steht das einzigartige Mahnmal, von dem noch 58 Schädel erhalten sind, als Symbol des Widerstands und ist in eine Kapelle eingebettet – ein bedrückender, aber wichtiger Ort der Erinnerung an Serbiens Kampf um Unabhängigkeit.
Das Konzentrationslager „Crveni Krst“ – ein Ort deutscher Schuld
Das NS-Konzentrationslager „Crveni Krst“ („Rotes Kreuz“), ironisch nach einem nahegelegenen humanitären Symbol benannt, war 1941–1944 ein Schauplatz der nationalsozialistischen Besatzerpolitik in Serbien – hier wurden über 30.000 Menschen inhaftiert, gefoltert und ermordet, darunter Partisanen, Juden und politische Gegner. Heute dient die Gedenkstätte als Mahnmal gegen das Vergessen und erinnert an einen der dunkelsten Abschnitte der deutschen Geschichte in Serbien – ein Ort der Trauer, aber auch der Auseinandersetzung mit Verantwortung und Menschlichkeit.
Die Festung Niš – ein strategisches Juwel mit bewegter Geschichte
Die über 2.000 Jahre alte Festung Niš, auf einem 22 Hektar großen Hügel über der Nišava gelegen, war dank ihrer römischen, byzantinischen und osmanischen Befestigungen ein Schlüsselpunkt für Handels- und Militärrouten – und wurde im Laufe der Geschichte über 40 Mal erobert und zerstört, darunter von Hunnern, Byzantinern und Osmanen. Heute ist die gut erhaltene Anlage mit ihren massiven Steinmauern, Türmen und unterirdischen Gängen nicht nur ein beliebter Aussichtspunkt, sondern auch Veranstaltungsort für Konzerte und Festivals – ein lebendiges Denkmal der Stadtgeschichte.
An der Festung trennen sich unsere Wege und wir spazieren noch durch die riesige Anlage. Vorher finden wir noch einen Hinweis auf das anstehende Jazz-Festival und klären im örtlichen Jazz-Museum das Thema Eintritt und Karten.
Niška Banja – Serbiens Heilbad-Oase mit kurativer Tradition
Am heutige Sonntag brauchen wir noch einen See zum Umrunden. Leider gibt es nur ein kleines Gewässer in der Nähe. Das gehört zum Kurort Niška Banja, nur 10 Kilometer von Niš entfernt. Der Ort ist seit der römischen Zeit für seine thermischen Heilquellen (38–40°C) bekannt, die bei Rheuma, Hautkrankheiten und Erschöpfung Linderung versprechen – umgeben von grünen Parks, historischen Badehäusern und einer entspannten Atmosphäre. Heute verbindet der Ort moderne Wellness-Hotels mit traditioneller Balneotherapie, während der zentrale Kurpark mit seinen Spazierwegen, Cafés und Mineralbrunnen zum Verweilen einlädt – ein perfekter Rückzugsort für Erholungssuchende.
Nachtleben auf dem Nišville-Festival
Nach einem ziemlich leckeren Abendessen im urigen Restaurant „Kafana Meze“ mit hervorragender Bedienung stürzen wir uns ins Nachtleben und begeben uns dafür in die Festung, denn dort wartet das kostenlose Vorprogramm des Nišville, des größtes Jazz-Festivals in Serbien und des Balkans. Das Festival verwandelt jedes Jahr im August die Festung von Niš in eine lebendige Bühne für Jazz, Blues und Weltmusik, lockt internationale Künstler und tausende Besucher an und ist eines der kultigsten Open-Air-Festivals des Balkans.
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